Plasmafernseher und LCD-Fernseher
Stur halten sich noch zahlreiche Vorurteile über die Fernseher der neuen Generation, doch wie viel Wahrheit steckt in diesem Denken? Bei dem heutigen Entwicklungsstand liegen die Qualitätsunterschiede zwischen Plasmafernsehern und LCD-Fernseher nur noch im Detail, denn beide Technologien wurden im Laufe der Zeit enorm weiterentwickelt. Es liegt nun beim Anwender, Vor- und Nachteile der jeweiligen Geräte abzuwiegen und nach den persönlichen Anforderungen zu beurteilen. Im Folgenden wird Euch die Funktionsweise der Geräte aufgezeigt, sowie welche Vor- und Nachteile aus der entsprechenden Technologie resultieren. Mit diesem Wissen könnt Ihr beurteilen, welche Wahl für Euch die richtige ist oder ob Ihr vielleicht doch noch bis zur nächsten TV Generation, den OLED Displays, abwarten wollt.
Plasmadisplays
Seit über vierzig Jahren werden Plasmadisplays nun bereits produziert. Während dieser Zeit fanden sie sogar in Laptops Verwendung, wurden jedoch in vielen Bereichen früh von Röhrenmonitoren verdrängt. In den letzten Jahren erlebte die Branche jedoch eine Renaissance und diese einst stiefmütterlich behandelte Technologie fand vermehrt den Weg in die Wohnstuben.
Funktionsprinzip
Einbrenngefahr
Aufgrund ihrer Beschaffenheit kann es bei Plasmadisplays zu Phosphoreinbrennungen kommen. Bei bestimmten Betriebsbedingungen, wie zum Beispiel lange Anzeige eines Standbildes (z.B. Firmenlogo), nutzt sich der Phosphor in einigen Zellen schneller ab. Diese ungleichmäßige Abnutzung ist ein irreversibler Vorgang. Beachtet die folgenden Punkte, um euer Gerät davor zu schützen:
- Bei PC-Verwendung Bildschirmschoner aktivieren
- Kontrastreiche Standbilder möglichst vermeiden (z.B. schwarze Schrift auf weißem Grund)
- Wenn vorhanden, den Einbrennschutz des Gerätes einschalten
Die Einbrenngefahr ist übrigens während der ersten 100 Betriebsstunden besonders hoch.
Ein Plasmabildschirm besteht aus einer Vielzahl von einzelnen Kammern. Für jede Grundfarbe eines Bildpunktes wird eine Kammer verwendet, daher sind zum Beispiel zur Darstellung eines guten Bildes in PAL-TV-Norm etwa 1,2 Millionen Kammern notwendig. In diesen Kammern befindet sich ein Neutral- bzw. Edelgasgemisch, welches durch elektrische Signale kurzzeitig gezündet wird. Dies führt zu einer Änderung des Aggregatzustandes. Die hierbei freiwerdende Energie liegt als Strahlung im UV-Bereich vor, welche vom in den Kammern eingelagerten Phosphor absorbiert wird. Dieser sendet nun Strahlung mit niedrigerer Wellenlänge, also sichtbares Licht, wieder aus. Leider sind für diesen Vorgang kurzzeitig Spannungen im Bereich von mehreren hundert Volt notwendig, was zu dem erhöhten Stromverbrauch von Plasmadisplays führt.
Um ein natürliches Bild zu erzeugen benötigt man jedoch nicht nur die Schaltzustände "ein" und "aus", sondern noch eine Vielzahl an Zwischenstufen: Die verschiedenen Helligkeiten. Schnell hintereinander gezündete Impulse werden hierbei vom menschlichen Auge als ein kontinuierlicher Lichtstrom wahrgenommen. Daher wird bei schwachem Licht das Plasma nur kurz und bei voller Helligkeit permanent aktiviert, wofür Rechenoperationen im Bereich von Millionstel Sekunden benötigt werden. Die Farbe des Plasmadisplays wird durch das Zusammenspiel der drei Grundfarben Rot, Blau und Grün erzeugt.
Da die bei diesem Vorgang entstehende UV Strahlung gesundheitsschädlich ist, werden Filter in den Displays verbaut. Diese filtern nicht nur den schädlichen UV Anteil aus dem Licht, sondern üben darüber hinaus auch einen (womöglich schlechten) Einfluss auf die Qualität des entstandenen Lichtspektrums aus. Die Hersteller bedienen sich hierbei verschiedener Tricks, um die Bildqualität zu verbessern.
Achtung! Aufgrund des Aufbaus von Plasmafernsehern dürfen diese auf keinen Fall liegend transportiert werden, da es sonst zu Beschädigungen des Panels kommen kann. Daher sollte man bei Transport und dem anschliessenden Aufstellen des Gerätes lieber zwei Hände mehr, als zwei zu wenig zur Verfügung haben.
Kaufkriterien
Der wichtigste Faktor für die richtige Kaufentscheidung ist die Verwendbarkeit des Gerätes im gewünschten Einsatzbereich. Man muss sich im Klaren darüber sein, ob man das Plasmadisplay als TV-Ersatz in die Heimkinoanlage integrieren will, oder es vielleicht beruflich auf Messen als Schautafeln verwenden möchte. Für letzteres wäre zum Beispiel die Möglichkeit einer Steuerung über RS232 wichtig. Dadurch kann man mehrere Displays zu einem großen Display vernetzen und viele Geräte von einem zentralen Punkt aus steuern. Folgende Kriterien erlauben eine Qualitätsbeurteilung des Gerätes, unabhängig vom geplanten Einsatzzweck:
- Die Brillianz der Farbdarstellung
- Die Anzahl der unterstützten Seitenverhältnisse (außer 4:3 und 16:9!)
- Das Vorhandensein eines Einbrennschutzes im Gerät
- Die Vielfältigkeit von Anschlußmöglichkeiten (analog und digital)
- Der Geräuschpegel des Gerätes (Lüfter)
Neben diesen objektiv beurteilbaren Merkmalen bleibt noch der Streitpunkt des Designs. Außer den persönlichen Vorlieben gilt es vielleicht noch zu beachten, ob das Gerät zum Rest der Heimkinoanlage oder der Wohnzimmerausstattung passt.
Die Auflösung sollte annähernd dasselbe Seitenverhältnis wie das darzustellende Format aufweisen. Aus diesem Grund wird für normales Fernsehen (PAL: 768 x 576 Pixel) auch keine sehr hohe Auflösung benötigt. Bei einem 42 Zoll Plasmafernseher könnte die Auflösung also zum Beispiel 853 x 480 Pixel betragen. Eine Auflösung von 1.024 x 1.024 Pixel mag hier auf den ersten Blick überlegen erscheinen, doch kommt damit keine gleichmäßige Pixelzuweisung ("mapping") zustande. Das Gerät muss umrechnen bzw. elektronisch schätzen, was zu Qualitätseinbußen führen kann (abhängig vom Verwendungszweck). Besser wäre eine Auflösung von 1.024 x 768 oder 1.366 x 768 Pixel. Möchte man seinen Plasmafernseher zur Darstellung von HD Inhalten verwenden, muss er natürlich eine höhere Auflösung unterstützen. Viele Geräte sind inzwischen HD-Ready oder sogar Full-HD fähig und die Unterschiede zwischen diesen hohen Auflösungen werden meist nur von Experten wahrgenommen. Aus diesem Grund reicht in den meisten Fällen bereits ein Gerät, welches HD-Ready ist.
Damit sich das Plasmadisplay perfekt in das vorhandene Setup integriert, muss man natürlich auch auf die vorhandenen Anschlüsse achten. Die meisten Geräte bieten hier zwar eine Vielzahl von Möglichkeiten an, für HD-Darstellung sollte man aber unbedingt auf einen Komponenten-, HDMI- oder DVI-Anschluss achten. Wichtig ist an dieser Stelle auch, dass viele TV Geräte zwar über einen VGA Eingang verfügen, aber die über diesen Port maximal mögliche Auflösung 1.024 x 768 Pixel beträgt. Auch bei den Plasmadisplays gibt es Geräte, die zur Darstellung von Video optimiert sind und solche, die für die Datendarstellung (z.B. am PC) konstruiert wurden.
Das letzte Kaufkritierium bei den Plasmadisplays ist der integrierte Tuner. Sofern ein Tuner erwünscht ist, muss das zukünftige Gerät natürlich den richtigen besitzen. In den meisten Fällen ist nur ein DVB-Tuner eingebaut, will man aber zum Beispiel digitales Kabelfernsehen nutzen, ist ein DVB-C Tuner notwendig. Verwendet man einen separaten Tuner muss erneut auf die korrekten Ausgänge geachtet werden.
Vorteile
- Sehr hoher Kontrast
- Helligkeit und Brillanz der Farben
- Keine Nachzieheffekte ("ghosting") bei schnellen Bewegungen
- guter Betrachtungswinkel
- Dunkle Schwarztöne (bei LCDs mitunter grau)
Nachteile
- Möglichkeit von Einbrenneffekten (siehe Infobox)
- Hohes Gewicht
- Stromverbrauch kann bei hellen und kontrastreichen Bildern höher sein
LC-Displays (LCD)
Polarisation von Licht
Normalerweise drehen die LCD Kristalle die Lichtwellen:
Legt man jedoch eine Spannung an, kann man dieses Verhalten beeinflussen:
Moderne Flachbildschirme werden oft als "LCD-Fernseher" oder "TFT-Monitor" verwendet. Gemeint ist hierbei jedoch dieselbe Technologie, weshalb eine Bezeichnung wie LCD/TFT-Display angebrachter wäre. LCD (Liquid Crystal Display) steht für die Verwendung von Flüssigkristallen in den einzelnen Bildpunkten des Bildschirmes und TFT (Thin Film Transistor) für die winzigen Transistoren, welche die Lichtdurchlässigkeit steuern.
In einem LC-Display wird Licht durch Polarisationsfolien polarisiert. Dies bedeutet die Lichtwellen schwingen nur noch in einer bestimmten Richtung (z.B. horizontal). Richtet man nun zwei dieser Polarisationsfilter rechtwinklig zueinander aus, so könnten zum Beispiel am ersten Filter nur horizontal schwingende Lichtwellen durchgelassen werden, während der zweite Filter nur vertikal schwingende Lichtwellen passieren lassen würde. Da aber am zweiten Filter nur horizontale Schwingungen ankommen, ist diese Doppelkonstruktion lichtundurchlässig. Das LC-Display nutzt nun die Eigenschaft kleiner Kristalle, die Lichtwellen in einem bestimmten Winkel zu drehen. Legt man aber eine Spannung an die Flüssigkristalle an, so verändert sich Fähigkeit der Kristalle, die Lichtwellen zu drehen, was zu einer veränderbaren Lichtdurchlässigkeit führt. So kann die Helligkeit einer Zelle gesteuert werden.
Die für die Veränderung der Helligkeit benötigte regelbare Spannung an den Flüssigkristallen wird auf einer mit Transistoren besetzen Folie - dem TFT-Element - erzeugt. Dieses TFT-Element regelt jedoch nicht nur die Gesamthelligkeit, sondern gleichzeitig die Farbwiedergabe. Das Licht jedes Bildpunktes durchläuft eine Farbzelle, die aus 3 nebeneinander liegenden Farbfiltern (Rot, Grün, Blau) besteht. Jeder dieser Filter ist mit einem separat ansteuerbaren Transistor ausgestattet. Ein TFT-Element mit 1.024 x 768 Bildpunkten besitzt also genau 3 x 1.024 x 768 Transistoren. Durch additive Farbmischung entstehen so bis zu 16 Millionen verschiedene Farben. Aus diesen setzt sich wiederrum das Gesamtbild zusammen.
Nach mehreren Jahren Forschung und Entwicklung ist auch die Wiedergabe von Videosignalen, DVDs oder anderen Inhalten mit schnell wechselnder Bildfolge möglich, da die Reaktionszeiten von LC-Displays inzwischen vergleichsweise gering sind. Dennoch weisen Plasmafernseher bessere Reaktionszeiten auf, wobei ihre eigentliche Stärke aber in der höheren Leuchtkraft, sowie der wesentlich besseren Farbwiedergabe liegt.
Bei LC-Displays sollten dieselben Kaufkriterien Beachtung finden, wie bei einem Plasma-Display. Beachtet werden sollte der Einsatzzweck, die vorhandenen Anschlüsse, die Auflösung und nicht zuletzt auch das Design.
Vorteile
- Geringer Stromverbrauch
- Keine Einbrenngefahr
- Strahlungsarmut
Nachteile
- Geringerer Kontrast
- Lange Schaltzeiten (nur noch im unteren Preissegment)
- Endliche Anzahl darstellbarer Farben (ausreichend für den Großteil der Anwendungsbereiche)
- Schwarz kann grau sein
- Abweichung von der physikalischen Auflösung kann starke Qualitätsverluste mit sich bringen